12.10.2017 | 11:15 Uhr

Deutscher Fondsmarkt: Guter Vertrieb, hohe Gebühren

Deutscher Fondsmarkt: Guter Vertrieb, hohe Gebühren
Anleger sind zufrieden mit ihren Beratern, beklagen aber hohe Kosten und Steuern

Eine Studie zeigt: In vielen Ländern profitieren Fondsinvestoren von mehr Regulierung und verbesserter Anlegerfreundlichkeit. Deutschland rangiert hier im Mittelfeld – mit Highlights im Vertrieb und Schönheitsfehlern bei den Gebühren.

Anlageberatung

Was denken Fondsanleger? Worüber freuen sie sich, was ärgert sie? Fondsemittenten und Vertriebe, die das wissen, können an den passenden Stellschrauben drehen, um ihren Service zu verbessern. Deshalb ist die Studie ‚Global Fund Investor Experience Study‘, die regelmäßig alle zwei Jahre erscheint, ein guter Gradmesser dafür, ob die Fondsbranche in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gut gemacht hat.

Das Prinzip

Die Studie, die von der Ratingagentur Morningstar erstellt wird, untersucht, welche Erfahrungen Fondsanleger in unterschiedlichen Ländern machen und wo es Verbesserungsspielraum gibt. Die globale Analyse nimmt 25 Länder in Europa, Nordamerika, Asien und Afrika unter die Lupe. Dafür wurden in jedem Land vier für Fondssparer relevante Bereiche untersucht: Regulierung & Besteuerung, Transparenz, Gebühren, Vertrieb.

Die Idee dahinter

Im Allgemeinen bieten diejenigen Länder für Fondsanleger ein gutes Umfeld, die über eine unabhängige und proaktive Aufsichtsbehörde verfügen, wo sich die steuerliche Belastung in Grenzen hält und langfristiges Investieren fördert, wo eine hohe Transparenz herrscht, das Gebührenniveau moderat ist, Fonds über verschiedene Vertriebskanäle verfügbar sind und Anleger in den Medien umfangreiche Informationen über unterschiedliche Investmentmöglichkeiten vorfinden. Für jeden Teilbereich gibt es Punkte. Am Ende stehen Regionen-Rankings und ein globaler Vergleich. Unterm Strich steht in der Regel die US-Fondsbranche als anlegerfreundlicher Sieger auf dem Treppchen. Der Rest folgt mit Abstand. So auch in diesem Jahr.

Deutschland gutes Mittelmaß

Hierzulande interessiert naturgemäß das Abschneiden Deutschlands im internationalen Vergleich. So viel vorneweg: Deutschland liegt wie auch in den vergangenen Jahren im Mittelfeld der untersuchten Länder.  Doch es lohnt sich, auf die Details zu achten.

Regulierung, Besteuerung, Transparenz: guter Durchschnitt

In den Bereichen Regulierung, Besteuerung und Transparenz schneidet der deutsche Fondsmarkt durchschnittlich ab. Die nationale Regulierung folgt in großen Teilen der europäischen Aufsichtspraxis. Dazu zählt auch das Thema Transparenz. ‚Wesentliche Anlegerinformationen‘ und regelmäßige Veröffentlichungen der Portfolioinhalte sind Pflicht. Da kann sich die deutsche Fondsbranche ohnehin kaum positiv oder negativ abheben.

Bei der Besteuerung hängt sie am Wohl und Wehe der Politik. Und da gibt es aus Sicht der befragten Anleger noch Verbesserungsbedarf: Durch die Abgeltungsteuer erzielen deutsche Fondssparer im internationalen Vergleich eine eher niedrige Nachsteuerquote. Beim Fondssparen für die Altersvorsorge stehen sowohl Gesetzgeber als auch die Branche in der Kritik: Die Vorsorge wird zwar steuerlich gefördert (Stichwort: Riester-Rente), doch die Auswahl ist hier im Vergleich zu nicht geförderten Alternativen doch sehr begrenzt.

Vertrieb: Deutsche Anleger sind mit ihren Beratern zufrieden

Ein Ergebnis der Studie dürfte die Vertriebe besonders freuen: Deutschland schneidet in der Kategorie ‚Vertrieb‘ überdurchschnittlich gut ab. Leider gibt es auch hier einen Schönheitsfehler: Laut Studie werden weniger als die Hälfte der vertriebenen Fonds unter Berücksichtigung von Fremdfonds angeboten. Die Bevorzugung hauseigener Fonds ist nach wie vor eine Unsitte im Vertrieb und „nicht zwangsläufig im Interesse der Anleger“, wie Morningstar urteilt.

Gebühren: Da geht noch was

Fondssparer in Deutschland zahlen mehr für ihre Fonds als der Durchschnitt der Anleger weltweit. Besonders teuer sind Aktienfonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen, aber nicht hierzulande domiziliert sind. Asymmetrische Erfolgsgebühren (also Gebühren auf die Outperformance, ohne im Gegenzug eine Reduktion bei Underperformance zu gewähren) sind, wie in vielen anderen Ländern auch, zulässig. Immerhin hat sich jedoch die Gestaltung der Erfolgsgebühren durch die 2013 eingeführten Vorgaben der BaFin insgesamt verbessert. Die Beratung erfolgt in der Regel provisionsbasiert. Fonds ohne Vertriebsprovision sind selten. Darin unterscheidet sich Deutschland nicht von den meisten anderen Ländern.

In diesem Zusammenhang sehr interessant: In nahezu allen untersuchten Märkten sind Banken der dominante Vertriebskanal. Nur in Australien, Kanada, Neuseeland und Großbritannien spielen auch unabhängige Berater eine wesentliche Rolle. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass dieser Umstand allein noch kein Qualitätsmerkmal ist. Australische Anleger bewerten Beratung und Vertrieb in ihrem Land zwar im internationalen Vergleich am besten. Kanada und Neuseeland landen aber nur im Mittelfeld. Hinter Deutschland.

(MvA)

Die ausführliche Fassung der Global Fund Investor Experience Study 2017 als PDF-Dokument.

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