16.02.2017 | 10:40 Uhr

Demotivierte Investmentprofis

Demotivierte Investmentprofis
Phi: Die Entdeckung der Motivation als Variable von Leistung

Mehr als die Hälfte der Investmentspezialisten hat sich bei ihrem Karrierebeginn für die Finanzmärkte begeistert. Nur noch 15 Prozent geben an, dass sie ihren Kunden dabei helfen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Das führt auch bei vielen Kunden zu Frustration. Nun soll eine neue Kennzahl dabei helfen, den Trend zu drehen: Phi.

Anlageberatung Anlagestrategie Regulierung Geldanlagen

Man unterstellt Bankern gern Böses, vor allem seit Beginn der Finanzkrise vor rund zehn Jahren. Doch die Wahrheit ist: Mehr als die Hälfte der Investmentspezialisten in EMEA haben einmal eine Karriere im Investmentmanagement angestrebt, weil sie eine Leidenschaft für die Finanzmärkte besitzen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Centers for Applied Research, der unabhängigen Denkfabrik der State Street Corporation, und des CFA Institutes.

Die schlechte Nachricht: Im Laufe der Zeit zweifeln viele Investmentprofis daran, dass sie noch das Richtige tun. Trotz ihrer Leidenschaft für die Finanzmärkte scheinen sie vom eigentlichen Zweck abgekoppelt zu agieren. Nur 15 Prozent der Befragten aus der EMEA-Region gaben an, sie würden ihren Kunden dabei helfen, ihre Finanzziele zu erreichen. Und nur sechs Prozent blieben nach eigenen Angaben in der Investmentbranche, um zum Wirtschaftswachstum beizutragen.

In der Studie gaben neun von zehn der befragten Investmentspezialisten in der EMEA-Region an, in ihrer gegenwärtigen Rolle demotiviert zu sein, obwohl rund drei Viertel berichteten, ein gutes bis exzellentes Investmentergebnis und eine gute bis exzellente Kundenzufriedenheit erzielt zu haben.

Die Führungskräfte sind in der Verantwortung

Die Studie wollte den Gründen für die schleichende Demotivation unter Investmentprofis nachgehen. Die Forscher stießen dabei auf einen wichtigen Faktor: das Agieren der Führungskräfte. Die Zahlen belegen eine offensichtliche Fehlentwicklung in der Branche: Nur zwei Fünftel der befragten professionellen Anleger in EMEA glauben, dass ihre Führungskräfte eine überzeugende Zukunftsvision formuliert haben. Nur ein Drittel stimmt zu, dass die Führungskräfte innerhalb der Investmentmanagement-Branchen in EMEA mit ihren Mitarbeitern über ihre wichtigsten Werte und Überzeugungen reden. Gerade einmal ein Drittel glaubt, dass ihre Führungskräfte Zeit investieren, um Mitarbeiter zu schulen und zu beraten.

Quelle: Center for Applied Research

Ein weiterer Faktor für die Demotivation der Investmentprofis sind falsche Handlungsanreize: Zwei Fünftel der Befragten stimmten darin überein, dass ein Handeln im besten Interesse ihrer Kunden oft ein gewisses „Karriererisiko“ bedeute, das heißt möglicherweise sogar der Verlust der gegenwärtigen Position. Gleichzeitig sagten mehr als die Hälfte der Befragten aus, dass sie kurzfristigen Druck vom Vorstand, der Geschäftsleitung oder Beratern spürten.

Konkret bedeutet das, dass professionelle Anleger oftmals nicht im Interesse ihrer Kunden handeln. Die damit einhergehende Frustration sowohl auf beiden Seiten der Kunden  als auch auf Seiten der Berater ist damit leicht nachvollziehbar.

Die Lösung: Phi – Handele im Einklang mit den Zielen Deines Kunden

Das Center for Applied Research analysiert jedoch nicht nur den Ist-Zustand, sondern bietet auch Lösungen an. Das Institut hat eine neue maßgebende Geschäftskennzahl hervorgebracht. Diese Kennzahl, genannt Phi, kann laut der Studie einen deutlich positiven Einfluss auf die Unternehmensleistung, die Kundenzufriedenheit und das Mitarbeiterengagement bei Investmentfirmen haben. Der Begriff Phi setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe „purpose“ (Zweck), „habit“ (Gewohnheit) und „incentives“ (Anreize) zusammen.

Quelle: Center for Applied Research

Die Studie mit dem Titel „Discovering Phi: Motivation as the Hidden Variable of Performance“ („Die Entdeckung von Phi: Motivation als versteckte Variabel von Leistung“) erklärt, wie die Kennzahl Phi messen kann, in welchem Maße Zweck, Gewohnheiten und Anreize mit den Zielen und Werten des Einzelnen, der Organisation und des Kunden korrelieren. Phi weist dabei einen Zusammenhang mit einem breiten Spektrum an Leistungsmessgrößen auf, die die Branche beeinflussen und die langfristige Kundenzufriedenheit fördern können.

Der Studie zufolge entspricht ein Anstieg von Phi um einen Punkt einer um 28 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit einer exzellenten Unternehmensleistung, einer um 55 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit einer exzellenten Kundenzufriedenheit und einer um 57 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit eines exzellenten Mitarbeiterengagements.

Im Kern empfehlen die Forscher der Investmentbranche mehr Empathie. Ihre Botschaft an die Führungskräfte in der Branche lautet: Verabschiedet Euch von der Leistungskultur, hört auf Eure Kunden und erfüllt ihre langfristigen Ziele. Dann werdet Ihr auch in einem immer härter umkämpften Markt bestehen.

Mimmi Kheddache Jendeby, Senior Research Analyst im State Street Center for Applied Research, formuliert es so: „Heute dreht sich das Anlageergebnis nicht allein um das Alpha. Angesichts der erheblichen Herausforderungen für die Investmentbranche sind wir der Meinung, dass der Aufbau einer Kultur und eines Umfelds mit korrespondierenden Zwecken, Gewohnheiten und Anreizen Organisationen einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil liefern kann, von dem Kunden und Dienstleister profitieren werden.“

Rebecca Fender, Leiterin der Initiative Future of Finance beim CFA Institute, ergänzt: „Die Untersuchung zeigt, dass der Anlageerfolg tatsächlich auch vom Anlagemotiv abhängig ist. Fehlt ein kundenorientierter Vorsatz, auf dem basierend man eine Vorliebe für das Lenken der Märkte entwickelt, dann wird es schwierig, das Interesse und die Motivation entsprechend zu beeinflussen. Wir sind der Auffassung, dass Investmentspezialisten und ihre Unternehmen das Anlageergebnis der Kunden durch das Berücksichtigen von Phi verbessern und somit auch für ein höheres Vertrauen in die gesamte Finanzbranche sorgen können.“

Der Zweck hat Einfluss auf das Ergebnis

Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die Maximierung von Phi bei Investmentspezialisten, Investmentmanagementfirmen und deren Kunden möglicherweise der erfolgversprechendste Weg ist, um in dieser Branche Wert zu generieren sowie Vertrauen aufzubauen.

Im Klartext: Wer die Ziele des Kunden erfüllt, baut Vertrauen auf. Es ist gut zu wissen, dass es nun auch wissenschaftlich belegt ist.

Die komplette Studie als PDF-Dokument.

(MvA)

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