28.04.2011 | 11:35 Uhr

Carmignac: Minenfeld Europa

Carmignac: Minenfeld  Europa

Sie gelten seit Jahren als Vorzeigefonds: Der Mischfonds namens Patrimoine, der in Aktien und Renten aus aller Welt investiert, sowie der weltweit angelegte Aktienfonds Investissement. Doch seit neun Monaten machen die Überflieger der Branche ihren Anleger keine Freude mehr. Der Patrimoine verlor knapp vier Prozent, obwohl seine Benchmark im gleichen Zeitraum mehr als zwei Prozent zulegte. Weniger hoch sind die Verluste zwar beim Investissement, der seit Juli 2010 knapp drei Prozent verlor. Dafür aber legte dessen Benchmark im gleichen Zeitraum um knapp 13 Prozent zu. Die französische Fonds-Boutique mit Sitz in Paris  begründet die schwache Performance ihrer Produkte mit ihrer Haltung zu Europa und den Schwellenländern.

 "Wir halten fest an unserem großen Misstrauen gegenüber der europäischen Schuldenkrise und unserem Glauben an die positiven Aussichten der  Emerging Markets", ließ Didier Saint-Georges, Sprecher der Gesellschaft und Mitlgied des Anlageausschusses (Bild oben), den britischen Wirtschaftsnachrichtendienst Citywire wissen. "Europa ist ein Minenfeld. Gleich in mehreren Regionen, etwa in Griechenland oder in Irland, gibt es  große Probleme. Zwar kann der Markt noch diese noch ausgleichen, aber als Fondsmanager müssen wir uns fragen, ob uns das ebenso gelingt. Ich nehme lieber eine Zeit lang eine schlechtere Wertentwicklung in Kauf als mich auf dieses Minenfeld zu begeben und meine Fonds Gefahren auszusetzen."

Seit dem Beginn der Schuldenkrise im Frühjahr 2010 bezeichnen die Fondsspezialisten von Carmignac die Schuldenkrise in Europa als größtes Risiko der Finanzmärkte. Sie wiegt in ihren Augen deutlich schwerer als die  zurzeit grassierende Inflation in den Schwellenländern. Folglich hat der 22 Milliarden Euro schwere Patrimoine, der in etwa  zu gleichen Teilen aus Aktien und Renten besteht, zurzeit nur rund drei Prozent seines Anlagevolumens in Europa investiert. Übergewichtet sind indes Asien (knapp neun Prozent) und USA – obwohl dort seit dem vernichtenden Urteil von Standard & Poors die Staatsverschuldung ebenfalls an  Börsen für Panik  sorgt. Näher betrachtet investiert der Patrimoine allerdings den Großteil des Kapitals, knapp 62 Prozent, aber in Regionen, die landläufig unter "sonstige Länder" gefasst werden und nicht zu den Kernregionen der Weltwirtschaft zählen. Das selbe Bild zeichnet der Invertissement: Beinahe jede zweite Aktie im Portfolio ist von einem US-amerikanischen Unternehmen, etwa jede vierte stammt aus Asien. Europäische Aktien sind in diesem Portfolio allerdings mit einem vergleichsweise hohen Anteil von knapp 15 Prozent vertreten.

"Die Spitze der Inflation in Schwellenländern  ist  erreicht und wird im zweiten Quartal abnehmen", meint Saint-Georges. "Das Schuldenproblem Europas ist immer gegenwärtig auf den Märkten, während das Wachstum der Schwellenländer als  Reaktion auf die verständlichen Eingriffe ihrer  Notenbanken tatsächlich etwas nachgelassen hat." Dennoch: Obwohl Europa nach Ansicht der Carmignac-Fondsmanager aktuell ein Minenfeld ist und beide Parade-Fonds eher auf die USA setzen, wurden die Engagements in US-Dollar deutlich begrenzt. Laut Citywire waren Ende 2010 rund  25 Prozent der Anlagen des Patrimoine in Euro angelegt, im März waren es bereits 60 Prozent. "Beim aktuellen Preis müssen wir zugeben, dass der Euro weiterhin den Dollar schlägt – trotz der Staatsverschuldungen und  den daraus resultierenden Problemen für die Währung", meint Saint-Georges. "Die Geld- und Wirtschaftspolitik der Europäischen Zentralbank ist eine Euro-Bullen-Taktik, wir bleiben aber wachsam, welchen Einfluss die Zinserhöhungen auf die verschuldeten Staaten der Peripherie haben."

(vs)

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