19.09.2014 | 06:45 Uhr

Bellevue-Manager: „Medtech – oft Freude, selten Ärger“

Bellevue-Manager: „Medtech – oft Freude, selten Ärger“
Stefan Blum

FundResearch-Fondsmanager-Talk: Medizintechnik-Experte Stefan Blum, Fondsmanager des BB Medtech, spricht über die Vorteile des Sektors und die Strategie seines Fonds.

Aktienfonds Investmentfonds Exklusiv Medtech Interview

Medizintechnik als Investmentthema – darauf setzt die Schweizer Fondsboutique Bellevue Asset Management. Stefan Blum ist verantwortlicher Fondsmanager des BB Medtech (ISIN: LU0415391431), der seit seiner Auflegung im Dezember 2009 eine Wertentwicklung von knapp 77 Prozent verzeichnet. Im Gespräch mit FundResearch spricht Blum unter anderem  über die Vorteile und Herausforderungen des Sektors, gibt eine Einschätzung zur weiteren Entwicklung und erläutert die Strategie seines Fonds.

 

FundResearch: Nicht alle Anleger haben den Medizintechniksektor auf dem Schirm. Was macht ihn attraktiv?

Stefan Blum: Der Medizintechniksektor erzielte von 2008 bis 2013 eine deutliche Outperformance von knapp 25% gegenüber dem Gesamtmarkt (MSCI World net in EUR) und auch in diesem Jahr übertrafen Medizintechnikaktien den Gesamtmarkt deutlich um fünf Prozent. Der Sektor zeigt eine solide Performanceentwicklung und neigt dazu, insbesondere in einem schwierigen Marktumfeld im Vergleich zum Gesamtmarkt attraktive Erträge zu generieren. Grund dafür ist die stetige Nachfrage nach klinischen Dienstleistungen und Innovationen, welche neue Marktsegmente schaffen. Zusammenfassend darf man festhalten, dass der Medizintechniksektor dem Anleger oft Freude und nur selten Ärger bereitet. 

FundResearch: Welche Entwicklung des Sektors erwarten Sie in den kommenden Jahren?

Stefan Blum: Der Medizintechnikmarkt sah sich über das letzte Jahrzehnt mit einer Verlangsamung des Umsatzwachstums konfrontiert. Trotz der sehr guten Aktienperformance war die Verunsicherung der Anleger deshalb groß, diese ist nun aber einem vorsichtigen Optimismus gewichen. Nachdem sich der Medizintechnikmarkt bereits 2012 zu stabilisieren vermochte, fand dieser 2013 zurück zu solidem Wachstum und profitiert nun im laufenden Jahr von der Einführung neuer Medizintechnikprodukte mit großem Marktpotenzial, was in der Summe die beobachtete Wachstumsbeschleunigung erklärt.

Kurz- und mittelfristig sehen wir M&A-Aktivitäten und die damit rasch fortschreitende Konsolidierung als wichtigsten Werttreiber. Seit die Krankenhäuser das finanzielle Risiko, welches von nicht zufriedenstellenden Behandlungen ausgeht, mittragen müssen, stehen Prozess- und Beschaffungsoptimierungen im Fokus, die aus einer engen Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und Medizintechnikunternehmen resultieren. Ähnlich wie in der Automobilindustrie entstehen dadurch Partnerschaften mit einer langfristigen Kompetenzverlagerung zum Zulieferer. Dadurch erschließen sich für die Medizintechnikunternehmen zusätzliche Umsatzpotenziale aus neuen Dienstleistungsangeboten. Gleichzeitig profitieren sie von stabilen Ertragsmargen und können ihren Kunden Kostensynergien im Vertrieb weitergeben. Allerdings setzt dies ein umfassendes Produktangebot, geografische Reichweite und entsprechende Finanzkraft voraus, die nur multinationale Großunternehmen vorweisen können. Diese Entwicklung stimmt uns positiv und wir erachten die Wahrscheinlichkeit, dass der Medizintechniksektor über die nächsten Jahre die breiten Aktienmärkte in der Performance weiter übertreffen wird, als hoch.

FundResearch: Bei welchen Medizintechnik-Aktien sehen sie besonderes Kurspotenzial?

Stefan Blum: Der angestrebte Zusammenschluss von Medtronic und Covidien zeigt auf, dass die Industrialisierung mit 25 Jahren Verzögerung nun auch im Gesundheitswesen Einzug hält. Das breite, umfassende Produktangebot schafft Synergien in der Logistik und im Vertrieb. Dadurch können die Kunden von tieferen Preisen profitieren und die Zulieferer wahren gleichzeitig ihre Ertragskraft. Medtronic hat bereits begonnen, im Rahmen von langjährigen Serviceverträgen Operationssäle eigenständig zu finanzieren und zu betreiben sowie den Krankenhäusern Operationen zum Festpreis zu verrechnen. Zusätzlich hat Medtronic auch die technologische Kompetenz, Dienstleistungen zu erbringen, die über die Grenzen des Krankenhauses hinausreichen, wie etwa die Echtzeitüberwachung der Patienten zu Hause. Der Zusammenschluss von Medtronic und Covidien kreiert nicht nur die Plattform für zukünftiges Wachstum, sondern auch einen sehr attraktiven Investment Case mit signifikantem Kurspotenzial. Das Umsatzwachstum beschleunigt sich, das Geschäft ist besser diversifiziert, die Eintrittsbarrieren sind hoch und dank einer kombinierten Marktkapitalisierung von 65 Milliarden US-Dollar werden neue Investorengruppen erreicht. Das Risiko-Ertrags-Profil von Medtronic wird deutlich attraktiver und zeigt zu vergleichbaren Konsumgüteraktien ein Aufwertungspotenzial von über 20 Prozent.

FundResearch: Bellevue hat im Jahr 2009 den BB Medtech aufgelegt, der seinen Wert seitdem um rund 70 Prozent steigern konnte. Mit welcher Strategie wird der Fonds gemanagt?

Stefan Blum: Wir legen bei der Verwaltung des Fonds einen hohen Fokus auf Qualität und Liquidität unser Portfoliopositionen. Dies entspricht auch dem Investitionsfokus unserer Anleger aus dem Privatkunden- und Vermögensverwalterbereich, welche im Medizintechnikmarkt, mit seinen langfristigen Wachstumstreibern und seiner stetigen Nachfrage eine hohe Attraktivität sehen. Der BB Medtech Fonds (I-EUR Aktienklasse) erzielte 2012 eine Wertentwicklung  17,1 Prozent, 2013 von 16,4 Prozent und im laufenden Jahr bis Ende August von 13,9 Prozent, was im Zielkorridor unserer Erwartungen liegt. Wir erreichen diese Performance, indem wir schwergewichtig in großkapitalisierte, liquide Unternehmen investieren und klein- und mittelkapitalisierte Unternehmen beimischen. Aber auch da stellen wir hohe Anforderungen an die Qualität der Geschäftsmodelle und das Management der Unternehmen, um ein für unsere Anleger attraktives Risiko-Rendite-Profil zu erzielen.

FundResearch: Der Fonds hat derzeit ein Volumen von gut 120 Millionen Euro. Wie ist das Portfolio strukturiert?

Stefan Blum: Mit einem Anteil von rund 80 Prozent ist der Fonds schwergewichtig in Large Caps investiert. Mid- und Small Caps runden das Portfolio mit einem Anteil von je etwa zehn Prozent ab. Geografisch liegt der Fokus auf amerikanischen Aktien, die etwa 80 Prozent des Portfolios ausmachen, wobei es sich dabei zumeist um geografisch breit diversifizierte Großunternehmen handelt. Der Rest des Portfolios teilt sich auf Unternehmen mit Sitz in Europa, Australien, Neuseeland, Taiwan und China auf. In Japan, Indien und Brasilien sind wir gegenwärtig nicht investiert.

FundResearch: Wie häufig wird das Portfolio angepasst?

Stefan Blum: Die Zusammensetzung des Portfolios weist eine hohe Konstanz auf. Sämtliche Positionen werden kontinuierlich überwacht, was uns auch erlaubt von größeren Kursbewegungen entsprechend zu profitieren. Durchschnittlich werden pro Jahr rund fünf neue Positionen ins Portfolio aufgenommen und in etwa ebenso viele Positionen verkauft.

FundResearch: Wie sieht die Kostenstruktur des Fonds aus?

Stefan Blum: Für die institutionelle Anteilsklasse wird eine Vermögensverwaltungsgebühr von 0,9 Prozent p.a. erhoben, für die Retail-Anteilskasse 1,6 Prozent p.a. 

FundResearch: Welches Team verwaltet den Fonds?

Stefan Blum: Bellevue Asset Management ist eine auf den Gesundheitssektor spezialisierte Asset Management Boutique, die mehr als ein Dutzend Healthcare Spezialisten beschäftigt. Der BB Medtech Fonds wird von Marcel Fritsch und mir gemanagt, wobei ich als Lead Portfolio Manager die finalen Investmententscheidungen treffe. 

FundResearch: Medizintechnik ist ein vergleichsweise eng gefasster Sektor. Ist die breitere Pharma- und Gesundheitsbranche nicht ähnlich interessant?

Stefan Blum: Im Kontext des MSCI Healthcare Index weisen Medizintechnik, Biotech und medizinischen Dienstleistern je einen Indexanteil von etwa zehn Prozent auf, während Pharma mit rund zwei Dritteln den Hauptanteil ausmacht. Da sämtliche Subsektoren von denselben langfristigen, nachhaltigen Werttreibern profitieren, erachten wir den  gesamten Healthcare-Sektor als interessant. Aus Performancesicht zeigt sich der Biotech-Bereich als entscheidender Performancetreiber innerhalb des Gesundheitssektors, weshalb wir Anlegern empfehlen, direkt in den Biotech-Sektor zu investieren. Bellevue Asset Management verwaltet mit der BB Biotech AG seit 1993 Biotech-Portfolios und zählt heute zu den weltweit erfolgreichsten spezialisierten Managern in diesem Bereich. 

Anleger, welche Wert auf ein konservativeres Risiko-Rendite-Profil legen, sollten die aktuellen sektorspezifischen Entwicklungen in ihre Investitionsentscheidungen miteinbeziehen. So erzielte der Pharmasektor beispielsweise während der „Patentkliff-Phase“ eine deutlich unterdurchschnittliche Performance. Die erwähnten spezifischen Entwicklungen im Medizintechniksektor stimmen uns positiv und wir sehen das Potenzial, dass Medizintechnikaktien über die nächsten Jahre sowohl die breiten Aktienmärkte wie auch den Pharmasektor übertreffen werden.

Eine Reihe von Einzelfaktoren, die den Medizintechniksektor belastet haben, sind inzwischen wegfallen, die Nachfrage hat sich beschleunigt, eine Vielzahl wichtiger Produkte stehen vor der Markteinführung und die M&A-Aktivitäten nehmen deutlich zu. Neue partnerschaftliche Geschäftsmodelle, zwischen Medizintechnikanbietern und Krankenhäusernk, aber auch öffentlichen Organisationen, eröffnen zusätzliche Umsatzpotenziale für große, multinationale Medizintechnikunternehmen. Dies nicht nur in den angestammten Geschäftsfeldern, sondern auch in neuen Gebieten außerhalb der Krankenhäuser und vor allem im Dienstleistungsbereich. 

FundResearch: Wie sieht Ihr Bonussystem aus? Sind Sie an Kerngrößen des Fonds mitbeteiligt?

Stefan Blum: Neben einem Fixlohn wird das Management-Team auch erfolgsabhängig entschädigt. Die variable Vergütung hängt dabei von der relativen Performance des Fonds und der Höhe des Fondsvermögens ab. Damit stellen wir sicher, dass die Interessen unserer Anleger mit jenen des Teams kongruent sind.

(PD)

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Quelle: Hamburger Börse

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