07.08.2012 | 07:45 Uhr
"Chinas Wachstum war nicht nachhaltig"

Die vor kurzem erfolgte erste Zinssenkung der chinesischen Zentralbank seit 2008 zeige, dass die chinesische Regierung mit Entschlossenheit auf die wirtschaftliche Abschwächung regiert. Davon ist Laura Lou, Fondsmanagerin bei Schroders überzeugt. Sie geht davon aus, dass in den kommenden Monaten weitere stützende fiskal- und geldpolitische Maßnahmen ergriffen werden, um die Wirtschaft stabil zu halten. „Wir haben sicherlich noch nicht den Tiefstand der Abkühlung erreicht und die Zinssenkung hat uns darin bestätigt, dass eine harte Landung 2012 nicht stattfinden sollte“, glaubt Lou.
Die aktuelle Wachstumsverlangsamung sei unausweichlich gewesen. Denn die zweistelligen Wachstumsraten, die das Reich der Mitte in den vergangenen Jahren verzeichnete, seien zwar beeindruckend, aber keinesfalls nachhaltig gewesen. „Die Konjunkturabkühlung ist Teil einer dringend benötigten Neuausrichtung des chinesischen Wirtschaftsmodells, die der Region unserer Ansicht nach auf lange Sicht zu Gute kommen wird“, ist die Fondsmanagerin überzeugt. Durch den Abschwung hätten sich zudem Inflationsängste und Sorgen vor einem Überhitzen der Wirtschaft weitgehend zerstreut. Bislang habe China es geschafft, die Wachstumsverlangsamung – die im ersten Quartal 2012 den Erwartungen entsprochen habe – ohne gravierende Folgen für die Märkte zu überstehen. „Mit einem Wachstum von 7,5 Prozent für das Jahr 2012 gehört China nach wie vor zu den wachstumsstärksten Ländern weltweit“, sagt Lou. Eine Verlagerung des Wachstumsmodells von Investitionen, Infrastruktur und Export auf die Binnenwirtschaft sei längt überfällig.
Treffen werde die Konjunkturabkühlung vor allem Japan, Korea und die Europäische Union. „Das waren die Regionen, die in den vergangenen zehn Jahren die Wachstumsmaschinerie in China angetrieben haben“, erklärt Lou. Eine Wachstumsverlangsamung werde die Exporttätigkeit in diesen Märkten stark beeinträchtigen. Kein Grund zur Panik: „Längerfristig sind es jedoch genau Japan, Korea und die EU, die von einer effizienteren chinesischen Wirtschaft am meisten profitieren sollten“, beruhigt die Schroders-Expertin. Auf Sektorebene erwartet Lou vor allem bei Finanz-, Bank- und Immobilienwerten eine anhaltende Volatilität. Aufgrund der schwächeren Nachfrage gerieten auch Industrietitel unter Druck. Doch Lou ist zuversichtlich, dass es sich um einen relativ kurzfristigen Abschwung handelt. „Dadurch bietet sich Anlegern eine attraktive Gelegenheit, ein Engagement in China aufzubauen, während das Land seine Wirtschaft auf ein nachhaltigeres – und rentableres – Wachstumsmodell umstellt.“ Bereits für 2013 rechnet sie mit einer kräftigen Erholung und Stabilisierung. „Wir sind von Chinas Wachstumsstory überzeugt und glauben, dass die derzeitige Schwächephase schließlich durch eine interne Wachstumsdynamik des Landes überwunden werden kann“, so Lou.
Beratern empfiehlt die Managerin, im ersten Schritt auf Qualitätstitel zu setzen. Auch ein Blick auf das Management, die Wettbewerbsfähigkeit, die Ertragsstabilität und die Bewertungen seien sinnvoll. „Derzeit sehen wir zum Beispiel Ertragspotenzial im Technologiesektor, und auch der Energiesektor sollte von den Veränderungen des Konsumentenverhaltens in den ländlichen Gebieten profitieren“, sagt Lou.
(PD)
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