19.05.2012 | 10:07 Uhr
HINTERGRUND: Drama um offene Immobilienfonds könnte versöhnlich enden
Dennoch scheinen viele Anleger an ein Happy End des Dramas zu glauben. "Bei den von der europäischen Schuldenkrise verunsicherten Investoren gelten Immobilien aktuell als eine der sichersten Anlagen", meinte Analystin Sonja Knorr vom Rating-Unternehmen Scope. Dass stabile Fonds nach wie vor attraktiv sind, zeigen die Zuflüsse von immerhin 400 Millionen Euro im März. "Ungeachtet einiger eingefrorener Fonds profitierten die weiterhin geöffneten Fonds vom Drang der Anleger in die Immobilienanlage", hieß es auch in einer Mitteilung des Bundesverbandes Investment und Asset Management.
Insgesamt sind es vor allem vier Hauptakteure, auf die die Hoffnungen der Anleger ruhen. Die Fonds der Anbieter Union Investment, Deka, Commerzbank und REEFF - eine Tochter der Deutschen Bank - schöpfen mit einem Volumen von mehr als 30 Milliarden Euro gut ein Drittel des gesamten Marktes ab und erfreuen sich anhaltender Beliebtheit. Ein Faktor dürfte dabei das breite Vertriebsnetz der Sparkassen, Volks- und Großbanken sein.
Die Probleme der einst als bodenständig geltenden Anlageform gehen auf die Finanzkrise zurück. So musste die Credit Suisse im Oktober 2008 erstmals ihren CS Euroreal schließen. In diesem Monat froren auch andere Anbieter ihre Produkte ein. Hintergrund war der massive Verkauf von Fondsanteilen durch Profi-Investoren, nachdem am 15. September 2008 die US-Bank Lehman Brothers Insolvenz angemeldet hatte.
Die institutionellen Anleger brauchten dringend Liquidität und trennten sich deshalb schnell von offenen Immobilienfonds. Diese gewaltige Rückgabewelle jedoch haben viele Anbieter nicht verkraftet, da sie ihre Immobilien in so kurzer Zeit nicht zu vernünftigen Preisen verkaufen konnten. Also machen sie erst mal ihre Schotten dicht - auch für Privatanleger.
Später heißt es dann für die Fondsgesellschaften, Farbe zu bekennen. Entweder haben sie durch Immobilienverkäufe genug Geld erwirtschaftet, um alle rückgabewilligen Anleger zu bedienen, oder die Fonds werden endgültig abgewickelt. In der vergangenen Woche traf dieses Schicksal den SEB Immoinvest, der ebenso wie der CS Euroreal im Oktober 2008 das erste Mal eingefroren wurde, Mitte 2009 seine Pforten wieder geöffnet hatte und ein Jahr später schließlich erneut schließen musste. Für die definitive Abwicklung haben die Manager der schwedischen Bank SEB jetzt fünf Jahre Zeit.
Auch für den Fonds CS Euroreal endet in wenigen Tagen die Zweijahresfrist des Gesetzgebers. Deshalb sammeln die Schweizer derzeit die Rückgabewünsche ihrer Kunden. Sollten zu viele aus dem Fonds aussteigen wollen, wird er endgültig geschlossen. Mit einer ähnlichen Warnung an die Anleger vor einem quasi selbst herbeigefügten Aus ihres Fonds ist die SEB bereits gescheitert. Dennoch zeigt sich Scope-Expertin Knorr vorsichtig optimistisch: "Der CS Euroreal ist ein Flaggschiff der Branche." Er sei auf Europa fokussiert und verfüge über ein gutes Immobilienportfolio.
Doch selbst wenn auch der CS Euroreal abgewickelt wird, muss das noch lange nicht das Ende für die Anlageform sein. Denn viele Akteure haben inzwischen ihre Lehren aus dem Debakel gezogen. So hat der Gesetzgeber dem Charakter der offenen Immobilienfonds als langfristige Investition besser Rechnung getragen und zum Beispiel für Neuanlagen eine Mindesthaltefrist von zwei Jahren bestimmt. Zudem sind die Anleger wachsamer geworden. "Die Investoren legen verstärkt Wert auf die Erfolgsbilanzen der Anbieter", sagte Stephan Bone-Winkel vom Institut für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg. Deshalb würden auch die Fondsmanager noch mehr auf die Qualität ihrer Immobilien achten.

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