16.05.2012 | 15:07 Uhr

HINTERGRUND: Im Test durchgefallen - Bei Bankberatung noch vieles im Argen

FRANKFURT/BERLIN (dpa-AFX) - Eigentlich sollte alles besser werden. In der Krise entdeckten viele Banken den Kunden neu, der Gesetzgeber verordnete mehr Transparenz, die Finanzbranche versprach, dem Kasinokapitalismus abzuschwören. Doch das jüngste Urteil der Stiftung Warentest zur Beratungsqualität deutscher Geldinstitute fällt verheerend aus: "Filialbanken behindern Kunden beim Kreditvergleich und schädigen sie mit falschen Schufa-Einträgen." Allein Direktbanken schneiden besser ab - Institute also, bei denen der Kunde in der Regel gar keinen Kontakt mit einem Berater hat, sondern Bankgeschäfte und Kreditanträge übers Internet abwickelt.

"Eine Katastrophe" nennt "Finanztest"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen das Ergebnis der Untersuchung zur Kreditberatung. Die Testkunden hätten bei den meisten Beratungsgesprächen nicht die EU-Standardinfo mit den wichtigsten Angaben wie Kreditbetrag, Monatsraten und effektivem Jahreszins erhalten. Dies sei aber gesetzlich vorgeschrieben. Ohne diese Angaben sei ein Vergleich verschiedener Angebote unmöglich, kritisiert Tenhagen. Er empfahl den Kunden, sich auf Beratungsgespräche besonders gut vorzubereiten und die Auskünfte sorgfältig zu überprüfen.

Dass mangelhafte Beratung kein Einzelfall ist, belegen auch jüngste Umfragen bei Privat- und Firmenkunden. In einer Studie der Beratungsgesellschaft Eurogroup Consulting gaben nur 42 Prozent von 1.100 befragten Kunden an, ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihrem Bankberater zu haben. Die anderen charakterisierten es als neutral (33 Prozent), geschäftsmäßig (20 Prozent), distanziert (4 Prozent) oder misstrauisch (2 Prozent). 29 Prozent konnten sich aus diversen Gründen sogar vorstellen, innerhalb der nächsten zwölf Monate ihre Hauptbank zu wechseln.

Nichts Gutes förderte auch eine Umfrage der Commerzbank unter 4.000 deutschen Mittelständlern zutage. Sechs von zehn Unternehmern (61 Prozent) nennen darin schlechte Beratung durch Banken und Sparkassen als eine typische Schuldenfalle für den Mittelstand. Das ungeschminkte Fazit der Tester: "Die Finanzwirtschaft wird also aus Sicht der Mittelstandes ihrem eigenen Beratungsanspruch häufig nicht gerecht."

Bei Banken ist zu hören, dass sich in der Beratung "vieles verbessert" habe. Es gebe aber "noch Luft nach oben", räumt ein Branchenvertreter ein. Die Gewerkschaften sehen eine Ursache für Mängel im hohen Verkaufsdruck für Bankberater - gerade in einem engen Markt wie Deutschland mit seinen mehr als 2000 Kreditinstituten. "Die Branche ist seit einigen Jahren erheblich im Umbruch, was Vertrieb und Betrieb angeht. Gesundheitsschutz, Vertriebsdruck, psychische Belastung sind stärker ein Thema geworden als früher", sagt Verdi-Bundesvorstandsmitglied Beate Mensch.

Verbraucherschützer sehen ein erhebliches Defizit in der Kontrolle durch die Behörden: "Der Sanktionsdruck auf die Institute ist einfach zu niedrig", sagte Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) der Nachrichtenagentur dpa. Die EU-Vorgaben für die Beratung seien eindeutig, würden aber nicht verwirklicht.

Der Frankfurter Bankenforscher Dominik Georgi, der selbst in einer Studie den "Kundennutzen von Bankprodukten" unter die Lupe nahm, kam zu dem Ergebnis: "Banken und ihre Kunden reden oft aneinander vorbei." Kunden seien durchaus bereit, wie in anderen Branchen für Service mehr zu zahlen. Dennoch gingen Banken häufig "nur über Lockangebote" wie hohe Guthabenzinsen auf Kundenfang.

Und viele Kunden lassen sich (zu) leicht ködern - so das Urteil von Rolf Tilmes, Leiter des Private Finance Institute an der EBS European Business School. Privatanlegern mangele es erheblich an finanzieller Grundbildung, sagte Tilmes dem Anlegermagazin "Börse Online" (Mittwoch): "In dieser Hinsicht leben wir in einem Entwicklungsland." Unabhängige Beratung gegen Honorar könnte eine Lösung sein, werde sich aber nicht flächendeckend durchsetzen lassen.

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Fonds

  • 31.05.2012 | 09:47 Uhr

    Öffentliches Finanzvermögen: 178 Milliarden stecken in Wertpapieren

    WIESBADEN (dpa-AFX) - Das Vermögen von Bund, Ländern, Gemeinden und der Sozialversicherung steckt zu einem größeren Teil in Wertpapieren. 178 Milliarden von insgesamt fast 560 Milliarden Euro entfielen Ende 2010 auf diese Anlageform, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Knapp 155 Milliarden Euro waren Bargeld und Einlagen. Das Volumen von vergebenen Kredite belief sich auf gut 155 Milliarden. Die sonstigen Forderungen lagen bei 72 Milliarden Euro. Auf den Bund entfiel mehr als die Hälfte des Finanzvermögens (54,6 Prozent). Den geringsten Anteil hatten Gemeinden mit 9,8 Prozent oder 55 Milliarden Euro.

  • 28.05.2012 | 11:03 Uhr

    ANALYSE: Kurzfristig bieten Aktien mehr Chancen als Risiken - Sentix

    LIMBURG (dpa-AFX) - Aktien bieten kurzfristig mehr Chancen als Risiken. Zu diesem Schluss kommen die Stimmungsforscher von Sentix in ihrer am Sonntag veröffentlichten Studie. Der deutsche Aktienmarkt habe sich zuletzt zumindest stabilisiert. Kurz- und mittelfristig habe sich die Stimmung aufgehellt. Bei Renten sei das Risikoprofil umgekehrt.

  • 24.05.2012 | 14:29 Uhr

    ROUNDUP: Deutsche reich wie nie - Private Geldvermögen kräftig gewachsen

    FRANKFURT/MAIN (dpa-AFX) - Die Deutschen sind so reich wie nie: Ungeachtet der Kursverluste an den Kapitalmärkten haben die Privatleute im vergangenen Jahr ihr Geldvermögen deutlich gesteigert. Es wuchs um weit überdurchschnittliche 149 Milliarden Euro auf den Rekordwert von 4,715 Billionen Euro, wie die Bundesbank am Donnerstag in Frankfurt berichtete. Der stabile Arbeitsmarkt habe für hohe verfügbare Einkommen gesorgt, erklärten die Währungshüter den Trend. Ein leichter Einbruch im dritten Quartal wurde zum Jahresende wieder aufgeholt.

  • 24.05.2012 | 12:41 Uhr

    ANALYSE/GSAM: Globaler Ansatz beim Anlagen-Management so wichtig wie nie zuvor

    FRANKFURT (dpa-AFX) - Das anhaltende Niedrigzinsumfeld und die hohe Staatsverschuldung in den traditionellen Industrieländern stellen einem Experten zufolge bisher erfolgreiche Anlagephilosophien nachhaltig in Frage. "Wir sehen in Ländern, die zuvor als sicher angesehen wurden, bedrohliche Risiken", sagte am Donnerstag Christoph von Reiche, Leiter der Fondsgesellschaft Goldman Sachs Asset Management (GSAM) in Deutschland und Österreich. Dennoch hielten institutionelle Investoren in entwickelten Ländern weiterhin einen beträchtlichen Anteil ihrer Portfolien in ihren Heimatmärkten, so dass Wachstumsmärkte deutlich unterrepräsentiert seien.

  • 24.05.2012 | 05:51 Uhr

    Telekom lädt nach schwachem Jahresstart zum Aktionärstreffen

    KÖLN (dpa-AFX) - Die Deutsche Telekom lädt für heute (Donnerstag/10.00) zur Hauptversammlung nach Köln. Konzernchef René Obermann wird den Aktionären Rede und Antwort stehen, nachdem die Telekom mit einem Gewinnrückgang ins Geschäftsjahr 2012 gestartet ist. Bereits im Gesamtjahr 2011 war der Gewinn massiv um zwei Drittel auf 557 Millionen Euro eingebrochen. Ursache waren vor allem Probleme in den USA und Südosteuropa. Bei der Hauptversammlung 2011 war den Anteilseignern eine Dividende von 0,70 Euro präsentiert worden. Das waren 8 Cent weniger als im Vorjahr 2010.

  • 21.05.2012 | 16:48 Uhr

    ROUNDUP: Krise der Immobilienfonds: CS Euroreal macht dicht

    FRANKFURT/MAIN (dpa-AFX) - Die Krise der offenen Immobilienfonds fordert ein weiteres Opfer: Der milliardenschwere CS Euroreal wird abgewickelt, rund 200 000 Sparer kommen vorerst nicht mehr an ihr Geld. Genauso wie vor kurzem der Konkurrent SEB Immoinvest hatte auch der Fonds der Schweizer Großbank Credit Suisse seinen Anlegern nach zwei Jahren erstmals wieder angeboten, ihre Anteile zurückzugeben.

  • 21.05.2012 | 15:43 Uhr

    Krise der Immobilienfonds: Auch CS Euroreal wird abgewickelt

    FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Krise der offenen Immobilienfonds fordert ein weiteres Opfer: Der milliardenschwere CS Euroreal wird abgewickelt, rund 200.000 Sparer kommen vorerst nicht mehr an ihr Geld. Genauso wie zuvor der SEB Immoinvest hatte auch der Fonds der Schweizer Großbank Credit Suisse seinen Anlegern nach zwei Jahren erstmals wieder angeboten, ihre Anteile zurückzugeben.

  • 21.05.2012 | 14:01 Uhr

    ANALYSE: Chancen auf Erholung am Aktienmarkt stehen 'nicht so schlecht' - Sentix

    LIMBURG (dpa-AFX) - Die Chancen auf eine Erholung am Aktienmarkt stehen den Experten von Sentix zufolge "nicht so schlecht". Analyst Patrick Hussy begründete dies in einer aktuellen Studie mit der sogenannten Konträrtheorie, wonach es sich lohnen kann, gerade bei einer sehr trüben Anlegerstimmung ("Sentiment") Aktien zu kaufen. Die Idee dabei ist, dass das Sentiment bald einen Tiefpunkt erreicht hat und deshalb nicht weiter fallen sollte. Damit wäre der Weg frei für eine Aufhellung der Stimmung und für steigende Aktienkurse.

  • 19.05.2012 | 10:07 Uhr

    HINTERGRUND: Drama um offene Immobilienfonds könnte versöhnlich enden

    FRANKFURT (dpa-AFX) - Das Drama um die offenen Immobilienfonds erreicht am Montag (21.5.) einen neuen Höhepunkt. Dann entscheidet sich, ob mit dem CS Euroreal der Schweizer Großbank Credit Suisse der nunmehr zehnte offene Immobilienfonds abgewickelt werden muss. In diesem Fall wären etwa 27 Milliarden Euro an Fondsgeldern erst einmal weiter dem Zugriff der Anleger entzogen. Insgesamt stecken derzeit in Deutschland rund 85 Milliarden Euro in offenen Immobilienfonds - auch die Ersparnisse von Kleinanlegern sind dabei.

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